Trauben im Hauran
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Begegnung im Hauran
Tee mit viel Zucker
Hausmauer in der Altstadt
Azem

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Cosima

DAMASKUS, 24. August – 6. Oktober 2002, Institut Arabeske

Am 24. August begann für mich das Abenteuer: Nach vier Semestern Hocharabisch an der Uni wagte ich mich erstmals in ein arabisches Land.
In Damaskus wurde ich am Flughafen von Ahmad Zahra, dem Leiter des Instituts, abgeholt und mit dem Taxi zu meiner Gastfamilie im Bab Tuma, dem christlichen Viertel in der Altstadt, gebracht. Ich wohnte zusammen mit einer deutschen Studentin, und wir wurden als erstes gleich zu Tee und Keksen eingeladen. Die Familie (die Eltern um die 60, sechs Töchter und ein Sohn zwischen 18 und ca. 30) war sehr nett und bemühte sich, mit uns zu sprechen, allerdings noch mit bescheidenem Erfolg. Zu zweit hatten wir den oberen Stock für uns inklusive eigener kleiner Küche und einem einfachen Bad.
Am nächsten Tag versammelten wir uns bei der Bushaltestelle, wo uns Ahmad abholte und den Weg zur Schule zeigte. Dort begann der Ernst des Lebens: Einstufungstest! Wir waren alle ein bisschen überfordert... Nach der wohlverdienten Pause gab es eine Informationsrunde, anschliessend kriegten wir von Ahmad, der früher Reiseleiter bei Studiosus war, eine Stadtführung. Er zeigte uns gute Restaurants und Buchhandlungen, Kinos, Post und Bank etc. Da es sehr heiss war, tranken wir im Café Noufara einen Tee oder einen frischgepressten Orangensaft und lauschten dem Gebetsruf vom Minarett der Omayyaden-Moschee, der als einziger auf der Welt im Chor gesungen wird.
Am Montag war der erste richtige Unterrichtstag des Arabisch Sprachkurses. Während der Busfahrt zur Schule fiel uns auf, dass die syrischen Männer sehr höflich sind und den Frauen jeweils ihren Sitzplatz anboten. Der Unterricht war sehr gut, da die Klassen angenehm klein waren. In meiner Klasse waren nur acht Leute. Was den Lerneffekt des Arabisch im Sprachkurs natürlich positiv beeinflusste. In der ersten Lektion lesen wir einfache Texte und machen Übungen dazu, in der zweiten Lektion haben wir Konversationsunterricht bei Ahmad und in der letzten Stunde Dialektunterricht, was sehr nützlich ist in einem Arabischkurs in Syrien, da die Leute auf der Strasse zwar Fusha verstehen, aber meistens im Dialekt antworten.
Im Unterricht lernten wir einerseits durch die Texte und Diskussionen viel über Syrien und andererseits bei Ahmad das Feilschen auf dem Markt oder wie man im Restaurant richtig bestellt. Und täglich mussten wir auf Arabisch erzählen, was wir am vorherigen Tag gemacht hatten.
Nach dem Unterricht wurden immer wieder spezielle Attraktionen angeboten: So wurden wir von einem der besten Kalligraphen der Stadt in die Kunst der arabischen Kalligraphie eingeführt, ein Tänzer einer bekannten traditionellen Tanzgruppe brachte uns im Dabke-Unterricht zum Schwitzen und fürs leibliche Wohl konnten wir im Kochunterricht gleich selbst sorgen. Zudem fand der Unterricht einmal in der Omayyaden-Moschee statt, so wie es früher üblich war, und wir erfuhren viel über den Islam und das Gebet.
Mit anderen Studenten erforschten wir die Stadt, die sehr viele Sehenswürdigkeiten bietet (Nationalmuseum, Dschebel Qassiun, diverse Moscheen,...) oder tranken Tee in einem der zahlreichen Cafés. Die Syrer sind sehr hilfsbereit und gastfreundlich, manchmal auch Schlitzohren, doch schlechte Erfahrungen habe ich keine gemacht.
Höhepunkt des Kurses war bestimmt die dreitägige Rundreise durch den Norden Syriens. Früh morgens fuhren wir los nach Maalula, wo heute noch Aramäisch gesprochen wird. Wir besichtigten die beiden Kloster und genossen zum Frühstück ofenfrisches Fladenbrot. Mit dem Bus ging es weiter nach Hama, das berühmt ist für seine riesengrossen knarrenden Wasserräder aus Holz. Gestärkt vom Mittagessen fuhren wir weiter nach Aleppo, spazierten durch den grössten Suq des Orients und tranken am Fusse der imposanten Zitadelle Tee, bevor wir schlafen gingen. Am nächsten Tag frühstückten wir beim Simonskloster, das wir anschliessend unter Ahmads kundiger Führung besichtigten. Weiter ging die Fahrt durch die Wüste nach Palmyra. Von der Burg aus bestaunten wir den Sonnenuntergang, dann machten wir uns im Hotel frisch und gingen Nachtessen. Am nächsten Morgen besichtigten wir das riesige Gelände: Turmgräber, unterirdische Gräber, Überreste der römischen Stadt, das Theater und den Baal-Tempel. In einer Oase konnten wir uns im Pool erfrischen und ein leckeres Mittagessen geniessen, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Damaskus machten.
Nach vier Wochen kehrten die anderen Studenten nach Hause zurück, nachdem Ahmad ein schönes Abschiedsfest organisiert hatte. Ich blieb noch zwei Wochen und nahm bei Ahmad Privatunterricht, was ich ebenfalls nur empfehlen kann.
Ich habe in Damaskus nicht nur die Sprache gelernt, sondern auch einen guten Einblick ins Leben der Leute und in die arabische Kultur bekommen. Bei meiner Abreise wusste ich, dass ich viele Freundschaften geschlossen hatte und bestimmt wiederkehren werde.

16. August – 11. Oktober 2004
Zwei Jahre später ging ich tatsächlich wieder nach Damaskus, diesmal mit einer Studienkollegin aus Zürich. Zu zweit nahmen wir Privatunterricht in syrischem Dialekt wiederum bei Ahmad Zahra und auch diesmal waren wir sehr zufrieden. Die Wochenenden nutzten wir für weitere Ausflüge im Land, für die wir jeweils von unserem Lehrer nützliche Tipps erhielten. Für Ahmad ist man nicht einfach nur Student, sondern auch Gast und Freund, was man immer wieder auf herzliche Art und Weise zu spüren bekommt.