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Simon Fuchs
Ich hatte die Gelegenheit während meines ARABESKE-Sprachkurses
bei einem syrischen Freund unterzukommen, den ich an meine Studienort Erlangen
kennengelernt hatte. Mit ihm und seiner Familie spielte sich dann auch eher
meine Freizeit ab, weniger mit meinen deutschen Kurs-Kollegen. Erkaufen musste
ich dies freilich durch längere Fahrtzeiten: Von einem Vorort von Damaskus
aus machte ich mich tagtäglich auf in die Stadt, dabei von einem Minibus
in den nächsten hüpfend, wo vielleicht gerade noch einmal Zeit blieb,
sich ein paar vergesse Vokabeln vom Vortag ins Gedächtnis zu hämmern.
Und trotz der weiten Wege freute ich mich meist auf den Arabisch-Sprachkurs.
Es stellt ja keine einfache Angelegenheit dar, den Uni-üblichen Mix aus
verschiedenen Fächern, Sprachkursen und Seminaren gegen bloßes
Arabisch-Lernen einzutauschen, ohne dass ein gewisses Gefühl der Einseitigkeit
aufkommt. Aber diesem hat der ARABESKE-Sprachkurs ganz bewusst vorzubeugen
gewusst: Konversationsstunden folgten eher textbasierten Einheiten, aufgelockert
noch durch ein tägliches Hineinschnuppern in den Dialekt (inklusiv einiger
Tipps, welche sich dann später beim Souvenier-Handeln als wahrlich vorteilhaft
erwiesen...). Klar vermochte ich in dem Arabischkurs auch zu erkennen, wo
noch Schwächen liegen – in meinem Fall war ich sehr dankbar, auch
einmal das freie Schreiben von Texten trainieren zu können, was bis dato
in den Sprachkursen der Uni immer zu kurz gekommen war. Auch wenn mich mein
syrischer Freund viel zu wenig zum Lernen kommen ließ, ich eher die
Nächte mit seinen Onkeln und Cousins bei Nüssen und syrischem Bier
zu durchwachen hatte – auch auf diese Weise ließen sich natürlich
tagsüber gelernte Phrasen sofort im Feldversuch erproben. Auch in Sachen
kulturellem Know-how erweiterte der Kurs meinen Horizont: Das fing schon an
mit den zwei Einheiten in Volkstanz, welche für uns in einem der wunderschönen
Innenhöfe der Damaszener Altstadt angeboten wurden. Obwohl ich derart
rhythmische Bewegungen definitiv nicht zu meinen Stärken zählen
kann, hüpfte ich fleißig und zunehmend begeistert mit. Ein paar
Tage später war ich in einem Dorf im Norden des Landes zu Gast. Nach
Einbruch der Dunkelheit zeigten die Cousins meines Freundes mir noch flugs
die notwendigen Schritte, baten mich zum Tanz und bekamen recht große
Augen, dass ich in diesen paar Minuten scheinbar so schnell alles Wesentliche
behalten hatte... Ein Gefühl der Verlorenheit kam nie auf, Ahmad Zahra
und seine Mitarbeiter standen für alle Fragen zur Verfügung, egal
ob die sich nun auf Tagestrips in den Libanon, Übernachtungsmöglichkeiten
in Klöstern oder die schnelle Organisation eines englischsprechenden
Arztes bezogen. Auch das sonstige Begleitprogramm, welches z.B. gemeinsames
Kochen, Kalligraphieunterricht (bei welchem der Kalligraph mein Werk allerdings
nur mit einem abschätzigen Schnauben bedachte) und eine Einführung
in den Islam umfasste, genoss ich, bot es mir doch auch eine Gelegenheit meine
Erfahrungen mit Menschen aus dem selben Kulturhintergrund abzugleichen.
Über Syrien muss ich nicht viel schreiben, denke ich – dass es
sich dabei um ein wunderschönes Land mit ebenso faszinierenden antiken
Ruinenfeldern wie unglaublich herzlichen Menschen handelt, steht außer
Frage. Natürlich macht man ab einem gewissen Niveau keine sprunghaften
Fortschritte in einer Sprache mehr, dafür sind vier Wochen einfach zu
kurz. Flüssiger auszudrücken vermag ich mich aber auf jeden Fall,
kenne eine ganze Reihe Vokabeln mehr als meine Mitstudenten, welche die Semesterferien
nur in Deutschland verbracht haben und bin um einige Dialekt-Sätze reicher,
die goldwert sind, da sie verblüffenderweise das Verhalten des Gegenübers
verwandeln und Türen öffnen. Vor allem aber habe ich Syrien nicht
länger nur durch Bücher und Zeitungsartikel kennengelernt, sondern
durch Gespräche mit Menschen. Und dafür hat mir der ARABESKE-Kurs
viel geholfen.
Simon Fuchs
Erlangen, 8. Mai 2004