Hamam in der Altstadt von Damaskus
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Günther Jutz

"Ich mache einen Sprachkurs in Syrien!"

"Und was lernt man da denn?" "Arabisch." "Ist das denn nicht gefährlich?" So etwas passiert schon einmal, wenn man seinen Freunden erzählt, wie man die Semesterferien verbringen will. Aber, nein, gefährlich war der Arabisch-Sprachkurs nicht, sondern eine aufregende und erlebnisreiche Zeit...!

Etwas erleichtert war ich aber dann doch, als Ahmad uns am Flughafen abholte, erstmal in bestem Deutsch begrüßte und dann durch das Gewirr der Gassen der Altstadt zu unseren Gastfamilien brachte. Auch am nächsten Tag wurde jeder noch von Ahmad abgeholt und gemeinsam fuhren wir mit dem "blauen Bus" zum Institut, doch spätestens nach dem anschließenden Spaziergang durch die Stadt und zu den wichtigsten Straßen und Plätzen und durch den Suk zurück nach Bab Tuma war allen klar: Keine Angst, aber neugierig sein und viel Neues kennenlernen und erleben! Und den Treffpunkt schlechthin haben wir auch gleich besucht: Das Cafe Naufara.

Der Unterricht war bunter, wie er nicht hätte anders sein können. Ich war bei der fortgeschrittensten Gruppe. Am besten hatte mir dabei immer die erste morgendliche Stunde (ganz gemütlich um 8.45 Uhr) gefallen, wenn es hieß: "Was hast Du gestern nach dem Unterricht gemacht?" Im Gespräch konnten wir so die Scheu vor dem Sprechen ablegen und nebenbei auch einen Haufen Vokabeln neu kennenlernen: Musical, Durchfall, einkaufen, Kakerlaken - das zeigt, wie bunt gemischt die Ereignisse sein konnten. Natürlich übten wir auch alltagsbezogene Gesprächssituationen "Im Restaurant", "Beim Feilschen", "Beim Arzt" (das brauchte Gott sei Dank aber niemand), usw. Das konnte man dann gleich im richtigen Leben ausprobieren - und es funktionierte wirklich! Meistens zumindest, denn natürlich sind das Sprechen im Unterricht und die Kommunikation auf der Strasse auch in Damaskus zweierlei Dinge. Aber da man meist die Neugierde der Syrer weckt und man leicht ins Gespräch kommt, gibt es genug Möglichkeiten, Arabisch zu sprechen und auch oft ein Lob der Syrer bekommen (oder war das etwa nur die Höflichkeit?). Ob ein Zeitungsartikel zur neuen UN-Irak-Resolution oder Verenas Geburtstag mit Torte und "Happy Birthday" auf Arabisch - Gelegenheiten gab es viele, Arabisch so zu lernen, dass es auch tatsächlich im Alltag nützlich ist. Im gemeinsamen Dialekt-Unterricht mit den "Anfängern" lernten wir auch Wörter aus dem syrischen Dialekt, die die Kommunikation mit der Gastfamilie durchaus erleichtern konnten: Begrüßung, Smalltalk, die verwandtschaftlichen Bande, Zahlen und Uhrzeit... Texte zur Geschichte von Damaskus, Lieder (der Amr Diab-Fanclub aus Bayreuth grüßt!) oder ein Gedicht von Kabani - was haben wir alles gemacht! Etwas ganz besonderes war jedoch der Unterrichtstag in der Omayyaden-Moschee. Wir liesen uns in einer ruhigen Ecke in dieser bedeutenden Moschee nieder und lernten den Ablauf des Gebetes der Muslime, die erste und wichtigste Sure des Korans und den Gebetsruf des Muezzin kennen. Endlich mal verstehen, was von den Minaretten tönt! Wer wollte, konnte auch die Gebetshandlungen mitmachen und selbst erleben.

Die syrische Kultur und Leben konnten wir beim Kalligraphie-Unterricht, gemeinsamen Tanzkurs und Kochkurs noch weiter kennenlernen. Ahmad wußte wieder, etwas besonderes daraus zu machen: im kühlen Innenhof eines gerade unbewohnten, wunderschönen arabischen Hauses in der Altstadt konnten wir selbst mal syrisches Essen kochen und sehen, warum die syrische Küche im Nahen Osten so gelobt wird. Den Tanzkurs konnten einige von uns sehr gut gebrauchen, denn wir waren auch zu einer Hochzeit auf dem Land außerhalb von Damaskus eingeladen. Das war persönlich mein schönstes Erlebnis: Hier konnten wir noch ein ganz anderes Syrien als das Leben in der Stadt und im christlichen Viertel Bab Tuma kennenlernen, andere Menschen, die noch traditioneller leben. Da hieß es dann: Dabke tanzen, tanzen, tanzen (besonders anstrengend für uns Jungs, denn auf der Hochzeit tanzten auf dem Festplatz traditionell nur die Männer...).

Der "touristische" Höhepunkt war gleich am ersten Wochenende: In einem eigenen Bus sind wir von Damaskus losgefahren, um dann an den folgenden drei Tagen andere Landschaften und Städte in Syrien kennenzulernen. Am ersten Tag ging es immer geradeaus in Richtung Norden. Unterwegs besichtigten wir Maaloula, ein Dorf in der Nähe von Damaskus. Hier wird noch Aramäisch gesprochen - die Sprache Jesu, obwohl der die Leute wohl trotzdem nicht mehr verstehen würde. Der nächste Stopp war zur Mittagszeit in Hama, die Stadt, die für ihre großen hölzernen Wasserschöpfräder bekannt ist. Doch auch das war noch nicht unser letztes Reiseziel für den ersten Tag, sondern es ging weiter bis nach Aleppo - nicht ohne vorher einfach einmal auf der Autobahn gehalten zu haben, um die berühmten Aleppiner Pistazien aus der Nähe anzuschauen.In Aleppo verbrachten wir den Abend - für Ahmad auf jeden Fall ein unvergesslicher Abend... Denn plötzlich waren Marie und Sarah weg. Sie hatten sich aber nicht etwa verlaufen, sondern sind auf einem arabischen Konzert in der Zitadelle so in den Bann gezogen worden, dass sie die Zeit vergasen... Wieder komplett, ging es am nächsten Morgen weiter, eine "tote Stadt", nämlich das Simeonskloster oder das, was davon noch übrig ist, stand auf dem Programm. Fast hätte man schon in die Türkei sehen können. Nicht nur der weite Blick in die Landschaft Syriens, sondern auch die mächtigen Überreste der Kirche beeindruckten. Damit kehrten wir auch wieder in den Süden bzw. ganz in den Osten Syriens zurück: Das nächste Ziel, das wir abends erreichten, war Palmyra. Pünktlich zum Sonnenuntergang lassen wir uns auf der Burg den Wüstenwind um die Nase wehen - für heute war damit das anstrengende Programm beendet. Das Busfahren war anstrengend? Ja - denn natürlich wurde zu arabischer Musik (wir hatten bald unsere Favoriten ausgemacht) im Bus geklatscht, getanzt und gesungen. Der nächste Tag verhieß zunächst "nur" etliche antike Reste in heißer Wüstensonne - doch öffnete uns Ahmad auch hier wieder einige verborgene Türen, die sonst verschlossen blieben: So konnten wir exklusiv ein besonders schön ausgemaltes unterirdisches Grab besichtigen. Durch die oberirdischen römischen Reste mussten sich dann schon einige von uns von Kamelen tragen lassen. Aber die beste Erholung bot uns dann ein Garten in der Oase von Palmyra, in der wir ein Swimmingpool entdecken. Wir liesen uns noch von Einheimischen bekochen, bevor es dann wieder in der Abendsonne durch die Wüste zurück nach Damaskus ging.

Natürlich blieb Gelegenheit genug, vieles weitere in der näheren oder fernen Umgebung von Damaskus zu erkunden. Anziehungskraft hatte natürlich Beirut - besonders beeindruckend ist der Gegensatz, sowohl in dieser Stadt selbst als auch zu Damaskus. Und schließlich musste man ja mal Geld holen - nirgends einfacher als in der "Schweiz des Nahen Ostens". Aber auch Baalbeck im Bekaa-Tal im Libanon, Bosra im tiefsten Süden von Syrien und auch die Kreuzritterburgen, z. B. der Krak des Chevalier, kann man leicht in einem Tagesausflug erreichen. Für manche war das alles einfach zu heiß und sie machten über das Wochenende einen Ausflug ans Meer nach Lattakia. Amman kann man ebenfalls gut über das Wochenende besuchen. Neueste Geschichte sozusagen sieht man in Kuneitra, eine von Israel zerstörte syrische Stadt in Sichtweite der Golanhöhen. Da sich Ahmad als ehemaliger Reiseleiter zu allem auskennt und gute Tips geben konnte, sind wir immer ohne Schwierigkeiten alleine unterwegs gewesen. Ja, manchmal ist es sogar passiert, dass syrische Landsleute weit außerhalb von Damaskus, mit denen wir ins Gespräch kamen, Ahmad kannten...

Aber auch in Damaskus konnte man viel erleben. Selbst mit wenig Arabisch-Kenntnissen kann der Besuch eines arabischen Kinofilms sehr interessant sein. Aber über Geschmack kann man ja nicht streiten. Ob Theaterbesuch, die iranische Moschee der Zajida Zainab, das grüne Damaskus bei Nacht vom Berg Kasiun oder einfach nur der Bummel durch die verschiedenen Stadtviertel und Suks -am späten Nachmittag, wenn die Mittagshitze vorbei war, stürzten wir uns ins Gewühle, die Geschäfte und den Verkehr der Stadt. Schnell lernten wir auch ein paar gleichaltrige Syrer kennen, mit denen wir uns oft abends trafen und die uns noch in schöne Restaurants führten, wo wir bei Tee und Wasserpfeife noch länger zusammensaßen (aber nicht nur arabisch sprachen...).

Am letzten Abend entführte uns Ahmad in einen Garten außerhalb von Damaskus, wo syrische Musiker uns verabschiedeten. Ahmad hatte uns in den vergangenen vier Wochen nicht nur einiges an Arabisch beigebracht, sondern auch die syrische Kultur und Leben näher gebracht und viele tolle Erlebnisse beschert. Oder anders gesagt: Ahmad war nicht nur im Unterricht für uns da, sondern immer, wenn wir ihn gebraucht haben. Vielen fiel der Abschied schwer und es wird kein Zufall sein, wenn wir uns wieder einmal in Damaskus treffen werden... Noch einmal ein Dankeschön an Ahmad und seine Mitarbeiter im Team!