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Anna Kollatz
„Ahlan wa Sahlan fi Suriya!“
Erfahrungsbericht über meinen Sprachkurs vom 12.3.05-9.4.05 in Damaskus
Was soll ich schreiben? Es gibt so viel zu sagen über diese
schönen vier Wochen, dass ich nicht weiß, wo ich beginnen soll.
Der ARABESKE
„Classic“- Sprachkurs, für den ich mich mit meiner Freundin
todesmutig angemeldet hatte, ist ein voller Erfolg geworden.
Die Anmeldung lief dank der ausführlichen und übersichtlichen Internetseite
der Schule problemlos, auch noch bestehende Fragen waren schnell durch die
Kontaktpartner in Deutschland (danke an Yannik unbekannterweise!) gelöst.
Alles in Allem hatte ich das angenehme Gefühl, gut aufgehoben zu sein,
und so konnte ich auch fast alle Zweifel von Freunden und Familie ausräumen…
Ich bin mit dem Gruppenflug nach Syrien gereist. Es war sehr angenehm, man
konnte erste Eindrücke sammeln von der Gastfreundschaft und Offenheit
der Syrer: Noch im Flugzeug gab mir eine Frau ihre Adresse, damit ich sie
anrufen könnte, wenn ich Probleme haben sollte.
Auch die Ankunft in Damaskus lief problemlos, direkt hinter der Gepäckkontrolle
(die man mit einem freundlichen Lächeln durchaus umgehen kann) wartete
Ahmad auf uns und begrüßte uns mit einem freundlichen „Ahlan
wa Sahlan fi Suriya!“
Er brachte uns direkt zum Wechselbüro der Syrischen Nationalbank und
dann mit dem Bus nach Bab Tuma, in die Altstadt von Damaskus. Dort lernten
wir unsere Gastfamilien kennen und das Abenteuer der ersten Verständigung
konnte beginnen…
Auch nach drei Semestern Hocharabisch an der Uni Halle fielen mir die ersten
Worte ein wenig schwer, abgesehen von Antworten auf Fragen wie „War
der Flug gut?“ und „Ihr seid sicher müde?“
Am ersten Abend war es uns noch sehr recht, dass unsere Gastmutter auch Französisch
sprach!
Nach der Begrüßung mit Tee und Gebäck folgte das zweite Abenteuer:
Meine Freundin und ich mussten unsere Koffer eine enge Treppe hinauf in unsere
Zimmer befördern, vorbei an Topfpflanzen, Gießflaschen (Boukeen)
und Elektrokabeln.
Im Nachhinein kann ich ohne Zweifel sagen, dass dies so mit das größte
Problem war, was sich mir in Syrien in den Weg stellte… (abgesehen natürlich
von dem Rückweg über besagte Treppe nach vier Wochen und mit einigen
Kilo Übergepäck!)
Unsere Zimmer waren zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber
das gehört schließlich auch dazu, wenn man in eine fremde Kultur
eintaucht! Nach zwei Tagen waren aber alle anfänglichen Zweifel verflogen.
Kühle Brise
Der erste Morgen in Damaskus begrüßte uns mit einer kühlen
Brise. Unsere Gastschwester Eva brachte uns zur Bushaltestelle von Bab Tuma,
wo uns Walid, einer der Lehrer, abholte und uns beibrachte, den richtigen
Servicebus zur Schule zu finden. Wir fuhren also nach Mohajreen, und stellten
uns dem Einstufungstest des Arabisch-Sprachkurses. Er war nicht so wild wie
befürchtet, und danach erwarteten uns noch viele Tipps zum täglichen
Leben und zum Umgang mit der Gastfamilie von Ahmad. Später gingen wir
gemeinsam mit ihm durch die Stadt zurück nach Bab Tuma, und lernten wichtige
Punkte in der Stadt kennen: die Post, die Bank, das Restaurant Schamiyat…
Am Hijaz- Bahnhof aßen wir unser erstes Schawurma und tranken unseren
ersten Fruchtsaft aus einem „Saftladen“. Wie ich das hier in Deutschland
vermisse!!!
Am nächsten Tag begann dann der Unterricht des Arabischkurses. Die Sprachkurse
waren in drei Klassen aufgeteilt. Ich war in der Fortgeschrittenengruppe und
so begann mein Sprachkurs gleich mit einer Stunde Unterricht bei Manar, unserer
Lehrerin, die nur Arabisch mit uns geredet hat. Manchmal war es schwer, vor
Allem anfangs, aber wir konnten zum Schluss wirklich Alles irgendwie ausdrücken,
was wir ihr sagen wollten. Auch wenn wir manchmal Hände und Füße
zur Hilfe nehmen mussten. So haben wir schnell gelernt, die Scheu vor dem
Sprechen abzulegen und ein bisschen Vertrauen in unsere Arabischkenntnisse
zu gewinnen. Außerdem lernten wir bei ihr viel über das Land Syrien,
seine Kultur und Sehenswürdigkeiten, indem wir Texte zu diesen Themen
lasen und darüber sprachen.
In der nächsten Stunde hatten wir dann Konversationsunterricht bei Ahmad
- im Dialekt des syrischen Arabisch. Sein Unterricht hat mir sehr gut gefallen.
Zum einen habe ich zum ersten Mal, seitdem ich Arabisch lerne, Nützliches
für den Alltag gelernt und zum anderen war der Unterricht immer locker
und lustig, und wir konnten wirklich Alles fragen, was wir wissen wollten.
Der Dialektunterricht zusammen mit der mittleren Gruppe war sehr nützlich,
um die Leute auf der Straße besser zu verstehen. Auch wenn die Meisten
sich Mühe gaben, mit uns Ausländern Hocharabisch zu reden, waren
doch immer mal Wendungen dabei, wo wir sehr froh waren, sie vorher schon mal
gelernt zu haben. Auch wenn der syrische Dialekt relativ nah am Hocharabischen
ist, stellten sich doch immer wieder Fragen über komische Ausdrücke.
Beit Jabri, Nofara ...
Unsere Tage bewegten sich zwischen Schule (Sonntag bis Donnerstag immer von
Viertel vor neun bis Halb zwei), Hausaufgaben und Erkunden der Stadt. Schon
bald merkte ich, dass man Damaskus auf keinen Fall in vier Wochen „sehen“
kann, man braucht sicher mindestens ein halbes Jahr! Die Abende verbrachten
wir mit unseren Kurskollegen in den verschiedenen Restaurants und Caféhäusern
(Beit Jabri, Nofara…) bei Wasserpfeife und dem leckeren syrischen Essen.
Ich persönlich kann sagen, dass ich absolut keine Probleme mit „Yallah
Yallah“ (spätestens wenn Ihr nach Damaskus kommt, werdet Ihr von
Ahmad erfahren, was dieses nette Wort bedeutet…)
bekommen habe, obwohl ich wirklich Alles probiert habe, worauf ich Lust hatte.
Die Wochenenden waren ausgefüllt mit Fahrten durch Syrien, bei denen
wir die wunderschönen Landschaften bewundern konnten. Am ersten Wochenende
waren die Meisten aus der Gruppe zusammen in Mar Musa, einem Kloster das in
den Bergen liegt. Ich werde diese Tage nie vergessen, es war wirklich eindrucksvoll
und sehr schön. Auch für die Buße in der vorösterlichen
Zeit war gesorgt, sollten wir doch den Mönchen bei ihrer Arbeit helfen
und unter den Augen erstaunter syrischer Touristen Plastikmüll auf der
langen Treppe, die vom Tal zum Kloster führt, einsammeln. Es klingt vielleicht
schrecklich, war aber wiederum ein neues Erlebnis, das man so nirgendwo sonst
finden kann. Nach unserer Aktion waren wir einem der Klosterbewohner sehr
ans Herz gewachsen, und jedes Mal, wenn er jemand von uns sah, rief er begeistert:
„Jetzt ist die Treppe sauber!“
Nach zwei Tagen in klösterlicher Ruhe fuhren wir zum Krak des Chevaliers,
um wieder ins Touristenleben einzutauchen. Hier gibt es neben einer grandiosen
Landschaft und den eindrucksvollen Mauern der Burg auch „Postcard, Postcard“-
Männer und Touristenführer. Allerdings sind diese auch an touristischen
Orten sehr viel angenehmer und weniger aufdringlich als in anderen arabischen
Ländern und man kann sie mit ein paar arabischen Worten entweder in ein
kleines Gespräch verwickeln oder abwimmeln.
Hama, Homs, Aleppo und Palmyra
Noch schöner war allerdings die Fahrt am zweiten Wochenende. Wir waren
drei Tage mit unserem nicht nur als Lehrer, sondern auch als Touristenführer
vorzüglichen Ahmad unterwegs, und er zeigte uns die Städte Hama,
Homs, Aleppo und Palmyra und natürlich das Dorf Maaloula mit seinen beiden
Klöstern. Selbst die teilweise recht langen Busfahrten gestalteten sich
kurzweilig, weil uns Ahmad viele Märchen und arabische Gedichte vorlas
und uns auch Sendungen vorspielte, die er in seiner Zeit als Radiomoderator
aufgenommen hatte. So tauchten wir tief in die arabische Märchenwelt
ein und lernten etwas über arabische Musik und Musikinstrumente.
Wir genossen das wunderschöne Frühlingswetter beim Frühstück
auf der Zitadelle von Aleppo und bei den Ruinen des Simonsklosters, wo man
den Frühling richtig riechen konnte!
In Palmyra tanzten wir nachts im römischen Amphitheater zur Musik von
zwei alten Musikern, die eigens für uns dorthin gekommen waren. Wie gut,
dass wir in der Woche vorher Tanzunterricht gehabt hatten! Später lud
uns ein Hotelangestellter zu einer Pickuptour durch die Stadt ein, und so
fuhren wir Alle durch Palmyra und sangen lauthals Lieder, von denen wir nicht
wussten, was der Text bedeutet. Später sagte uns Ahmad dann, dass das
eine ein Hochzeitslied und das andere ein Kinderlied gewesen war.
Die letzte Woche war ausgefüllt mit regelrechten Hamsterkäufen (Bücher,
Gewürze, Argile,…), Kochunterricht und Treffen mit unseren neu
gewonnenen syrischen Freunden. Die Zeit war viel zu schnell zu Ende!!!!
Schon vor meiner Abreise habe ich längst beschlossen, wieder nach Syrien
zurückzukehren. So hoffe ich, dass der uns inzwischen so gut bekannte
Satz, mit dem mich der Grenzbeamte bei der Ausreise verabschiedete ein gutes
Omen ist: „Ahlan wa Sahlan fi Suriya!“