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Jochen Werle

Arabeske - oder warum die Menschen von Homs doch nicht verrückt sind

Auch in Syrien gibt es Schildbürger! Dies erfahren wir auf der Busfahrt von Maloula nach Hama durch die Geschichte von Rafik Schami, die uns Ahmad Zahra vorlas. Wir passierten gerade Homs auf dem Weg zu unserer zweiten Etappe der dreitägigen Rundreise. Die Geschichte von Rafik Schami war nur einer von vielen Eindrücken der syrischen und arabischen Kultur, die wir auf dieser Reise und während des ganzen Kurses sammelten.
Also, vier Wochen Intensiv-Sprachkurs in Damaskus! Unsere engagierten Sprachlehrerinnen und -lehrer vermittelten uns viel mehr als eine neue Sprache. Ich selbst war völliger Anfänger und Hannan, unsere Lehrerin hat uns von Beginn an mitgerissen: alle Schriftzeichen inkl. Schreibweise und 84 neue Vokabeln am ersten Tag, ein systematischer Grundkurs Grammatik, lesen und schreiben und vieles mehr. Fünf Unterrichtsstunden pro Tag, fünf Tage in der Woche - erstaunlich, was ich in dieser kurzen Zeit in dem Arabischkurs alles gelernt habe! Der Grundstock in Arabisch ist gelegt!
Durch ein ausgefülltes Beiprogramm konnten wir sehr viel mehr über Syrien und die arabische Welt lernen. So übten wir uns an zwei Abenden im Volkstanz - eins, zwei, drei, vier, vor, zurück - und wurden von einem hervorragenden Koch in die Geheimnisse der syrischen Küche eingeweiht.
Seitdem weiß ich, dass man Auberginen mit Sonnenblumenöl und nicht mit Olivenöl zubereiten soll, weil sie sonst einen bitteren Geschmack entwickeln. Wir entspannten uns in einem der ältesten Hammans der Stadt und übten uns mit einem professionellen Kalligraphen im Buchstaben malen.
Kalligraphie ist eine Kunst, die Zeit braucht! Der Höhepunkt war natürlich die 3-tägige Rundreise: Maloula - das Felsendorf, in dem man auf die Wiege des Christentums stößt; Hama - wo noch heute die Wasserräder und das ausgeklügelte System, das einst der Bewässerung des Umlandes diente, zu sehen sind; Aleppo - eine traditionelle Handelsstadt und die zweitgrößte Stadt Syriens, wo wir durch den angeblich längsten Souk der Welt spazierten und die geschichtsträchtige Zitadelle besichtigten, und dort über den Dächern von Aleppo traditionell frühstückten. Weitere Stationen waren das Simeons-Kloster und nach einer Fahrt durch die Wüste erreichten wir schließlich Palmyra, das sagenhafte Tadmur. Eindrucksvoll öffnete sich vor unseren Augen eine große Oase: römische Ruinen und Dattelpalmenhaine. Palmyra muß einst eine sehr reiche Stadt gewesen sein - das sieht man noch heute. Lohnenswert ist, den Sonnenaufgang mit Blick auf die Ruinen von der nahegelegenen Burg zu geniesen.
Die ganze Zeit über wurden wir fachkundig begleitet, unsere beiden Ahmads versorgten uns mit historischen und weiteren landeskundlichen Informationen, Yasser kümmerte sich um unser leibliches Wohl. Syrien ist wirklich ein kulturell sehr reiches Land, eine fast unbekannte Perle im Nahen Osten!
Und wir wissen jetzt auch, dass die Menschen von Homs gar nicht verrückt sind, sondern nur so tun, um sich selbst zu schützen. Eigentlich sind sie sehr Weise - eben wie unsere Schildbürger!
Ein herzliches Dankeschön an Hannan, Ahmad 1, Ahmad 2 und Yasser! Ich freue mich schon auf den bevorstehenden mehrjährigen Aufenthalt in Amman in Jordanien, Grund für meinen Arabisch-Sprachkurs in Damaskus. Unseren Dozenten ist es gelungen, in mir das Interesse an der arabischen Sprache und Kultur zu wecken. Und ich freue mich auf die Besuche in Damaskus, wo ich Freunde treffen werde!

Jochen Werle
Jochen.Werle@urz.uni-heidelberg.de