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Olaf Witte
Erfahrungsbericht* von Olaf Witte zum Arabeske Sprachkurs
(3. Semester Kulturwirt, 2. Semester Arabisch, an der Uni Passau)
Mein Erfahrungsbericht beginnt schon in Deutschland vor der
Abreise.
Passau, etwa 3 Wochen vor der Ausreise
Ich bin eingeladen zum Informationstreffen für Interessierte
an einem Arabischkurs in Damaskus. Ich fahre zur angegeben Adresse, mir ist
etwas mulmig. Wie wird das wohl sein, was werden das für Menschen sein,
die für einen Monat fern der Heimat Arabisch lernen wollen? Wie wird
die "Informationsveranstaltung" ablaufen?
Ich bin erleichtert, als mir geöffnet wird. Gesprächsfetzen liegen,
gemischt mit Essensgeruch und Wasserpfeifenrauch in der Luft. Es sind etwas
mehr als ein Dutzend Interessierte gekommen. Mir wird eine Wasserpfeife in
die Handgedrückt, was soll ich damit? "Einen Hauch von Orient einatmen"
wird mir gesagt, und tatsächlich, sie beruhigt ungemein. Wir haben alle
Fragen ohne Ende, sie werden mit einer Engelsgeduld beantwortet.
Die Organisatoren drücken uns Informationsblätter in die Hand, so
z.B. wie ich zu einem syrischen Visum komme. DM 150 und einige Tage später
halte ich es dann auch tatsächlich in der Hand. Ich hätte gar nicht
gewusst, wo ich da hätte anfangen sollen. Auch ein Flug wird uns ans
Herz gelegt, "damit wir alle gleichzeitig ankommen" und vom Flughafen
abgeholt werden können. Da bin ich aber froh, noch spreche ich kaum ein
Wort Arabisch.
Damaskus: Ankunft
War ich erleichtert, als mich doch tatsächlich jemand am Flughafen erwartet
hat. Jetzt sitze ich im Taxi auf dem Weg zur Altstadt, wo wir Sprachstudenten
wohnen werden. Ich bin überwältigt vom Verkehr, und vor allem der
Art und Weise wie hierzulande gefahren wird.
Der große Moment ist da, ich treffe meine (Gast) Familie für die
nächsten vier Wochen. Ich werde herzlich aufgenommen und erschrecke ein
bisschen beim Anblick meines Zimmers. Aber nur ein bisschen, das gehört
schließlich mit dazu und wird von meiner Familie mehr als wett gemacht.
Am Abend treffe ich mich noch mit den Anderen, alle sind überwältigt,
einerseits von der Gastfreundschaft ihrer Familien, andererseits von den fremden
Geräuschen, Gerüchen, Farben und der Hektik welche mir immer mehr
bewusst machen, wie hungrig ich doch bin. Ich entscheide mich für eine
vegetarische Falafel und falle kurz danach übermüde ins Bett, aber
erst nachdem ich einen "Gute Nacht Kaffe" von meiner Familie bekommen
habe.
Damaskus: Der erste Tag:
Ich habe etwas Schwierigkeiten den ausgemachten Treffpunkt rechtzeitig zu
finden. Aber mit fünf Minuten Verspätung komme ich auch an. Zum
Glück werden wir von Akram, einem unserer Lehrer abgeholt. Er zeigt uns
den Weg und welchen Minibus wir nehmen müssen.
Im Institut angekommen (es liegt mitten im Zentrum) "versage" ich
im Einstufungstest völlig. Es werden drei Gruppen gebildet, blutige Anfänger
(ohne Vorkenntnisse), normale Anfänger und die Cracks. Die Gruppen sind
erstaunlich klein und als erstes reden wir (auf deutsch) über unsere
Wünsche und Ziele mit Arabisch. Unser Lehrer (Akram) geht im Arabisch-Sprachkurs
wirklich auf unsere Wünsche ein. Natürlich reden wir auch über
wie der Unterricht abläuft. Wir fangen täglich (Sonntag bis Freitag)
um viertel vor neun an und haben zwei viertelstündige Pausen und sind
um ein Uhr nachmittags fertig. Dann findet an den Nachmittagen noch teilweise
Koch-, Tanz- oder Kalligraphieunterricht statt. (Den Kalligraphieunterricht
habe ich ja persönlich nicht so gemocht.) Aber man ist natürlich
auch nie verpflichtet an den Sprachkursen teilzunehmen.
Wir sind fertig, nicht nur mit dem Unterricht, aber auch so. Ich will nur
noch schnell etwas essen und dann ins Bett, Mittagsschlaf halten. Aber zuallererst
ist eine Stadtführung mit Ahmed, einem Studiosus Reiseführer, angesagt.
In der Touristeninfo auf dem Weg holen wir alle Stadtpläne und uns werden
auf dem Weg in die Stadt solch wichtigen Dinge wie die Post und wo es Internet
gibt, erklärt. Und natürlich die Stadt gezeigt, insbesondere die
Altstadt.
Ich für meinen teil gehe danach erst einmal Mittagsschlaf machen, und
dann haben wir uns ja auch schon für den Nachmittag verabredet, die Stadt
zu erkunden und den Abend in einem Wasserpfeifencafe ausklingen zu lassen.
Rückblick:
Schon am nächsten Tag fühlte ich mich fast wie zuhause. So gastfreundlich
wie von meiner Familie bin ich selten aufgenommen worden.
Besonders oft muss ich an die schöne Zeit in Syrien zurückdenken,
an so viele Dinge.
Im Unterricht habe ich viel gelernt, aber noch vielmehr auf der Strasse. Da
kaum jemand Englisch spricht, musste ich mein Glück meistens auf Arabisch
versuchen.
Die Ausflüge zur Kreuzfahrerburg Krak de Chevalier und vor allem in die
Ruinenstadt Palmyra werde ich nie vergessen. Auch das christliche Kloster
Mar Musa, welches total einsam und abgeschieden in der Wüste liegt, werde
ich nie vergessen. Dorthin sind wir alle zusammen mit dem Bus hingefahren,
mussten uns also um nichts kümmern.
Auch unsere Besuche im Hammam, einem türkischen Dampfbad, oder in einem
der zahlreichen Kaffeehäusern werde ich nie vergessen.
Da alle Familien in der Altstadt wohnen, konnten wir uns alle schnell besuchen.
Es waren ausnahmslos christliche Familien, also gab es weniger Probleme beim
gegenseitigen besuchen und dem Verhalten.
Die Studenten des Kurses waren auch nicht alle Islamwissenschaftler oder ähnliche
Arabischcracks, sondern ganz normale Studenten aus der gesamten Republik,
welche Interesse an der arabischen Sprache und Kultur haben.
Juristen, Kuwis, Magister,…
Der Kochkurs hat auch mir gemundet, und der Tanzkurs hat mich auf Trab gehalten.
Fazit: "Man kommt als Fremder und geht als Freund"
Ich viel mehr als nur meine Wasserpfeife aus Damaskus mit nach Hause genommen.
*Ich habe schon zweimal an diesem Arabischkurs teilgenommen, einmal im August 2000 und einmal im März 2001, deshalb ist dieser Erfahrungsbericht kumulativ aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen zusammengestellt worden.
Passau, den 4.7.01